Hyperrealistische Skulpturen
Warum dies Skulpturen sind
Ein Modell bildet nach. Es beginnt mit einem Bausatz, mit gegossenen Teilen, mit Plänen, denen zu folgen ist, und es zielt auf Ähnlichkeit mit einem Schiff, das existiert. Sein Zweck ist Genauigkeit.
Davon trifft hier nichts zu. Kein einziges Element wird gekauft, kein Teil aus einem Katalog bestellt, nichts aus einem Bausatz zusammengesetzt. Der Rumpf, die Kräne, die Lukendeckel, die Container, das Tauwerk, die Laufgänge, die Anker, die Leinen: alles wird von Hand geformt, Stück für Stück, in der Werkstatt, aus Holz, harzgefülltem Gips, Messing, Leinen und Schnur.
Keines dieser Schiffe gibt ein existierendes Vorbild wieder. Welissa entstand aus Hunderten Fotografien eines im Hafen von Sète aufgegebenen Frachters, ausgewertet und dann auf einen Plan von 1955 übertragen: das daraus entstandene Schiff hat es nie gegeben. Und doch ist es so genau, dass es niemand erahnt.
Dann kommt, was alles verändert. Ein Museumsstück zeigt ein Schiff am ersten Tag, fabrikneu von der Werft. Olivier Maynard macht das Gegenteil: er zeigt, was das Meer mit Schiffen macht. Salz, Öl, zerfressenes Metall, Ladespuren, Rost, der bis zur Wasserlinie hinabläuft. Auf einem Containerschiff wird jeder Container einzeln patiniert, mit dem Schwamm, verbeult und ausgeblichen, als hätte er die Welt zehnmal umrundet. Diese Abnutzung ist kein geduldeter Makel: sie ist der Rohstoff des Werks, und sie verlangt mehr Stunden als der Bau selbst.
Ein Schiff von Olivier Maynard verlangt zwischen 300 und 450 Arbeitsstunden. Es misst fast zwei Meter. Es ist signiert, einzigartig, und wird nie ein zweites Mal existieren.
Diese Schiffe sind hyperrealistische Skulpturen, die aussehen, als wären sie gefahren.
« Meine Schiffe sind keine Modelle mehr, sondern Schöpfungen, in denen jeder seine Kindheitsträume spazieren führen kann. »